Hiermit verabschiede ich mich vom Gedanken “Offline-Urlaub”

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Ist Offline-Urlaub nicht mehr als ein Gedanke, so wie ich es in der Überschrift schreibe oder möchte ich nur ganz bewusst vermeiden, von einem Wunsch – einer Wunschvorstellung zu reden? Ich schätze, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und sie tut auch gar nicht mal weh.

Alles auf Anfang. Das neue Jahr hatte gerade erst begonnen und ich zerbrach mir den Kopf, was ich alles in meinen 75-Liter Rucksack packe. Einen Trolley hatte ich auch noch. Noch mal Platz für schlanke 7-Liter. Ich brauchte Gepäck für drei Wochen. Drei Wochen Neuseeland. Lebenswichtige Entscheidungen mussten vor der Abreise getroffen werden. Wie gehe ich mit den Sandfliegen vor Ort um? Habe ich die passenden Wanderschuhe? Was sind die must-have’s um in der Wildnis zu überleben? Und was ist mit den vielen anderen Punkten, die mir Großstadtjungen erst gar nicht einfielen? Ach, alles egal! Ich dachte nur über eine Sache nach. Nehme ich meinen Laptop mit oder nicht?! Es gab einen Moment, da war ich vollkommen davon überzeugt, ihn mitnehmen zu müssen. Denn egal welches Problem aufkommen würde, mit meinem Laptop würde ich es ganz sicher regeln können. Glücklicherweise kam mein Erbsenhirn von ganz allein darauf, dass das völliger Quatsch sei. Mein Smartphone würde schon genügen.

Im Nachhinein kann ich sagen, das war die richtige Entscheidung. Bis auf ein paar dringliche E-mails gab es keine weiteren Probleme. Der Urlaub hatte mir alles gegeben, was ich mir erhofft habe. Erholung vom Job, ein Wiedersehen mit Land und Leute, die Zuversicht und Gemütlichkeit ausstrahlen, wie ich es nirgendwo anders auf der Welt bisher erlebt habe. Ganz besonders habe ich mich natürlich auch auf das Wiedersehen mit Julia gefreut. Ich hatte also alles, was ich wollte. Alles außer einer Sache – ich war nie offline.

Im Nachhinein frage ich mich nun, was wäre denn so großartig anders gewesen, wenn ich mein Smartphone nicht dabei gehabt hätte? Ich hätte die gleichen Orte gesehen, das gleiche Essen gegessen und die gleichen Menschen getroffen. Nee, ist völliger Quatsch. Denn erst mit dem Smartphone waren wir in der Lage, die besten Campingplätze zu finden. Nämlich die Campingplätze, die abgelegen an Bächen lagen oder direkt am Strand mit Zugang zur größten Badewanne der Welt. Über Foursquare konnte ich die leckersten Lokale der Stadt finden und mich ohne weiteres über jene informieren, vor denen wir gerade mit leeren Magen standen. Auch sehr praktisch war das Verschicken von Postkarten. Normalerweise schreibe ich nie welche. Ich hasse es, meine Schrift zu sehen und der Gedanke daran, meinen Liebsten eine Postkarte zu schreiben, macht mich fertig. Die Lösung hier war Touchnote. Ein eigenes Bild ausgesucht und als Motiv gewählt. Dazu ein Text mit 500 Zeichen. Fertig. In zwei Tagen im Briefkasten meiner Omi. Und die hat sich wie Bolle gefreut.

Das sind alles Kleinigkeiten, die mir eines klar gemacht haben. Offline-Urlaub ist kein Wunsch, es ist nur ein hohler Gedanke. Ein Thema, das in einem noch hohleren Gespräch fällt. Eine Zeile, die du in deinen Auto-Responder setzt, um Neid am anderen Ende zu erzeugen. Es ist einfach nur Bullshit. Ich werde mir niemals wieder wünschen, offline verreisen zu wollen. Am Ende liegt es doch an dir, wie oft du zum Smartphone greifst oder nach dem Wifi-Passwort fragst. Es ist dein Moment und du hast alle Freiheiten der Welt zu entscheiden, was damit passiert. Also hört bitte auf, den Leuten erklären zu wollen, wie Erholung funktioniert. Das ist für mich gleichzusetzen mit, als würde man mir erklären wollen, nach welcher Religion ich zu leben habe.

Wer sich für meinen Urlaub in Neuseeland interessiert, der sucht einfach nach dem Hashtag #iansnz auf Instagram und findet dort mehr als 30 Beiträge.

6 Comments
  1. Ich glaube das sind einfach zwei verschiedene Ansätze von Urlaub. Wenn man verreist ist das Smartphone aus den von dir genannten Gründen Gold wert und wenn man in einer völlig neuen Umgebung ist, hat man das Telefon schon ganz automatisch nur noch in der Hand wenn es unbedingt nötig ist, sei es um den Moment festzuhalten oder nach dem tollsten Burgerladen zu suchen.

    Offline Urlaub hingegen ist etwas was auch unglaublich gut tun kann. Für mich sind das die Wochenenden, an denen ich das Internet und mein Telefon abschalte. Oder einfach mal für 2 oder 3 Tage nach Brandenburg rausfahre, da gibts sowieso keinen Empfang. Abstand nehmen von all dem Social Media Geschrei, den Arbeitsmails, den Leuten die einen durch Nachrichten ständig ablenken. Mal ein Buch lesen. Filme gucken. Irgendwo in der Pampa sitzen und auf ein feld starren. Yoga machen. Ich brauch das ab und zu, sonst werde ich bekloppt. Das funktioniert aber nicht beim Reisen. Zumindest nicht für mich.

    • Da stimme ich dir zu. Es kommt ja auch immer auf die Vorraussetzungen eines jeden Einzelnen drauf an. Über einen Kamm scheren, kann man dieses Thema eh nicht.

      Was ich nicht im Text unterbringen wollte, war “Je suis Charlie”. Einen Tag nach dem ich in Christchurch ankam, lief ich an einer Statue vorbei. Der Hintergrund für diese Statue war wohl ein französischer. Am Fuße lehnte ein Pappschild mit “Je suis Charlie” und ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte und warum die Statue Charlie hieß. Ich dachte erstmal an Two and a Half Men. Das Unglück passierte wohl auf meinem Hinflug. Julia erklärte es mir dann und in dem Moment fühlte ich mich so unglaublich dumm. Nur weil ich keine Nachrichten mitbekam. Ich war schon kurz davor nen saudoofes Foto davon zu machen.

  2. für mich ist Urlaub per se internet-freie Zeit. Wenn wirklich not am Mann ist, frage ich irgendwo, an der Rezeption, in einem Internetcafe, so es das noch irgendwo geben sollte oder jemanden, den ich treffe und der Internetzugang hat. Das ist selten passiert. Ich glaube, ich kann diese Situationen an einer Hand abzählen.
    Was interessiert es mich, welche Bewertungen der Laden vor mir online hat? WEnn er mich anspricht, probiere ich ihn aus. WEnn ich mal daneben greife, dann ist das halt so. das gehört für mich durchaus dazu.

    Ich bin tatsächlich auch froh, wenn ich mal zwei, drei Wochen nichts höre und sehe. Ich will gar keinen Alltag im Urlaub – ich will eine Auszeit und notfalls auch völlig überrascht sein, wenn ich zurückkomme und die Bahn gerade streikt oder die Nachrichten sich inzwischen überschlagen haben.

    Meiner Erfahrung nach gehts immer auch ohne… ich habe ein Smartphone noch nie vermisst. Ich besitze nicht mal eines und spiele nach wie vor nicht mit dem Gedanken, mir eines zuzulegen.

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