Mein erstes Mal // Das Primavera Sound Festival 2013

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Soeben bin ich wieder zur Tür rein, Berlin hat mich wieder. Du riechst einfach so wunderschön. Meine Schmutzwäsche auch, die jetzt schon in der Wäsche eifrig am entdrecken ist. Meinen Koffer hab ich schleunigst in unserer Rumpelkammer verstaut, die fressbaren Mitbringsel liegen auch schon griffbereit. Gleich wird mit der 4. Staffel von Arrested Development angefangen. Ich warte nur noch auf Paul, der sich auf einem Microsoft-Event mit Marci rumtreibt. Ich hoffe, es ist schön langweilig. Die Zeit nutze ich also sinnvoll, mit den ersten Zeilen über das Primavera Sound Festival 2013.

Sieben Tage lang habe ich nicht auf meiner Couch eingecheckt, sieben Tage war ich mit Natalie in Barcelona. Gewohnt haben wir in der Nähe von der Metro Monumental. Recht nah gelegen zur Sagrada Família. Die ersten Tage haben wir für Sightseeing genutzt. Eigentlich eine doofe Idee, vorm Festival die ganze Stadt auf und abzulaufen. Aber ich muss echt sagen, Barcelona ist wunderschön. Jedenfalls das, was man als Touri zu sehen bekommt und auch einfach mal kreuz und quer die Straßen abläuft. Am Mittwoch war es dann schon fast soweit, das Primavera Sound Festival 2013 öffnete seine Pforten. Unser Ticket hatten wir, clever wie wir sind, schon am Vortag abgeholt. Aber eh egal, Mittwoch war gratis. Zwei Bühnen hatten schon mal geöffnet. Auf der kleineren, direkt am Eingang gelegenen Smint/MySpace-Bühne spielten local Bands. Ich hab sie mir nicht angesehen, die Ray-Ban Bühne war schon eher unser Fall. Natalie hatte sich hier Guards, The Vaccines und Delorean rausgesucht. Irgendwie alles nicht mein Fall gewesen. Alle drei sind bei mir in der Kategorie Wischiwaschi, also Bands, die einfach keinen Wiedererkennungswert haben. The Vaccines ist Indie-Rock Einheitsbrei von der Insel. Guards hat nur 1,5 gute Songs. Delorean nutzt Soundeffekte zum animieren der Meute, die ich auf einem Primavera nicht hören will. Das erwarte ich auf einer Stall-Disco, aber nicht auf einem Coachella-ebenbürtigen Musikfestival.

Der Donnerstag hatte da schon mehr zu bieten. Vorbei an der Schlange mit all den Deppen, die heute erst ihr Ticket abholten. Durch den Eingang haben wir halbem Auge Halt beim Rough-Trade Zelt gemacht. Gab aber nichts besonderes. Wild Nothing haben wir dann natürlich verpasst, weil wir eh viel zu spät ankamen. Tapasessen geht da einfach vor. Aber gar nicht schlimm, hatten wir eh schon gesehen. Also fix runter ans Meer zur etwas zügigen Vice-Bühne, da spielten nämlich Woods. Wollte Natalie gerne sehen, ich natürlich hinterher gedackelt und was war? Die Live-Stimme hat uns so sehr verschreckt, dass wir flink zur Pitchfork-Bühne sind und lieber auf Savages gewartet haben. Die singt nicht nur wie Ian Curtis, sieht sogar auch so aus und die gleichen Boxschläge hat sie eh drauf. Insgesamt aber live doch recht überzeugend, nur digital konnten und können sie mich leider nach wie vor nicht überzeugen. Danach spielten Metz, schon eher mein Fall. Das Set war nicht länger als 30min, aber die Jungs aus Toronto haben einfach alles gegeben, was ging. Etwas ruhiger lassen es natürlich J Masics aka Grungedalf und seine Mannen von Dinosaur Jr auf der Primavera-Bühne angehen. Mit dem Auftritt von Deerhunter kündigte sich dann das erste große Highlight an. Bradford Cox betritt die Bühne stilsicher in seinem Kleid, nicht gerade eine schöner Anblick, wenn er mit Gitarre auf die Knie fällt. Das war auch alles sehr viel lauter als erwartet, die neue Platte Monomania hatte das aber angekündigt. Also nicht wirklich eine Überraschung. Zwarschon gesehen, aber ein Abstecher zu Grizzly Bear musste dann einfach sein. Routiniert und mit unglaublicher Perfektion spielen sie ihr Set runter. Immer wieder schön. Tatsächlich auch die einzige Band auf dem Festival, die sich Gedanken über ein Bühnenbild gemacht hat. Bisschen merkwürdig. Naja, rüber ATP-Bühne. Dort steht gerade Death Grips auf der Bühne. Auf der Bühne ist kaum was zu sehen, Schein sind so gut wie nicht existent. Links ist leicht ein DJ-Pult zu erkennen und der Schatten, der über die Bühne wettert, muss wohl MC Ride sein. Aber Hauptsache die Boxen leiden, Death Grips ging mir so brachial ins Ohr, wie lange nichts mehr. Da war Phoenix auf der Nachbarbühne Marmelade für die Ohren, nur leider interessiere ich mich überhaupt nicht für Phoenix. Yolo.

Am Freitag habe ich an nichts anderes gedacht, als an Blur. Ich war mir bis Samstagabend auch ziemlich sicher, dass Blur mein Festival-Highlight sei, aber Pusteblume. Dazu später mehr. Den Tag hat Kurt Vile eröffnet. Erstaunlich viel Publikum vor der größten aller Bühnen, der Heineken-Bühne. Ich bin mir nur nicht sicher, ob Kurt Vile das geniesen konnte, trägt er das Haar doch hauptsächlich in front. Ein Entertainer ist er auch nicht gerade und wenn er mal zum Publikum sprach, klang das in etwa wie sdfknnuwfnsdvinek. Den Jungen kannst du einfach nicht verstehen. Merchandise spielten dann auf der Nachbarbühne, ich kannte eigentlich nur einen Song (Time), aber auch der Rest sagte mir soweit zu. Trotzdem ist es irgendwie weird, dass jemand Post-Punk unter Einfluss der kalifornischen Sonne machen kann. Die müssen einen echt guten Sunblocker haben. Dann war ein kleines aber feines Festival-Highlight an der Reihe. Mir nie angehört und doch gleich so sehr gemocht. Der Auftritt von Matthew E. White war durch und durch sympathisch. Er hat auch gleich das ganze Publikum nach Virginia zum Diner eingeladen. Ich mach das wahr, spätestens nächstes Jahr komme ich. Om und The Jesus and Mary Chain haben wir uns nur jeweils ganz kurz anschauen können. Bei letzteren wollte ich eh nur “Just Like Honey” sehen, alles andere war mir egal. Daughter bin ich nur mit, weil Natalie sie gern sehen wollte, ich hab da aber ehrlich gesagt keinen Draht zu. Solche Acts kommen und gehen seit zisch Jahren. Whatever. Bevor es zu Blur ging, haben wir noch kurz bei Doldrums einen Abstecher gemacht. Eigentlich haben wir aber nur 15min lang gerätselt ob Mädchen oder Bub.

War Blur gut? Ja. War es der Auftritt, den ich mir erhofft hatte? Nicht ganz. Es ist einfach ein Unterschied, ob eine Band sich auf ihrer eigenen Show feiert oder Teil eines Festival ist. Hier gelten einfach andere Regeln, hier hast du Druck durch einen strickten Zeitplan und musst trotzdem Tausende Fans glücklich machen. Es war ganz klar eine gute Show, aber wirklich zufrieden bin ich nicht. Vielleicht sehe ich sie mir doch noch mal auf dem Berlin Festival an, obwohl es da einfach nur schlechter sein kann. Aber dann hab ich wenigstens einen Vergleich und meine Tagesform wird auch eine andere sein, da ich vor und nach Festival Zuhause pennen kann. Aber gut, die Nacht ist noch lange nicht vorbei. Nach 3 Uhr spielten The Knife, eine krasse Techno-Tanzshow, bei der alle nur noch tanzten. Ein absoluter Rausch. Du warst dir nie sicher, ob nur noch Tänzer auf der Bühne waren und ein Tape lief oder ob tatsächlich jemand ein Mikro in der Hand hielt. Zum Abschluss noch ein paar Tracks von Disclosure, den ich enttäuschend lahm fand. Aber vielleicht wollte ich auch nur ins Bett. Um 7 Uhr in der Früh war es soweit. Ich danke dem Vermieter aus tiefstem Herzen für seine nicht lichtdürchlässigen Rollos.

Der letzte Tag des Primavera Sound Festivals begann mal wieder mit dem Verpassen einer Band. Da ich aber weder Tweets, Bilder oder sonst irgendeine Art von Erwähnung gefunden habe, kann der Auftritt von Adam Green & Binki Shapiro eh nicht der Hit gewesen sein. Nur gut, dass Mac DeMarco den Anfang macht. Mit besserer Laune kann man einfach nicht in den Tag starten. Wenn Mac grinst, grinst das ganze Publikum. Wenn Mac seine Freundin abknutscht, wird das Publikum rot. Wenn Mac eine Kippe brauch, liegt die Bühne sogleich mit 5 Kippenschachteln voll. Man muss Mac einfach lieben. Der tag an sich war dann gar nicht mehr so vollgepackt, wie die Tage zuvor. Die Pausen waren größer, unsere Schritte auch schwerer. Der Alkohol hat bei mir auch nicht mehr gewirkt, da durch mein Körper noch der Rest-Alk der letzten Tage durchlief. Die Fressstände waren bis auf den Crépes-Stand auch nicht unbedingt der Hit. Aber wir hatten dann doch keine zeit für Trübsal blasen, auf ging es zum Wu-Tang Clan. Der ist nämlich extra tausende Meilen nach Barceloniaaaa gereist, um im vierten Anlauf endlich seinen Moshpit zu sehen. Methodman und Reakwon sind wohl auf dem Weg verloren gegangen. Bisschen schade, dass sie das Publikum für Hiphop-Noobs hielten. So alt seid ihr dann auch nicht, meine Herren. We actually know some shit over here!

Das komplette Kontrastprogramm erwartete uns danach mit Nick Cave & The Bad Seeds. Das ganze Set konnten wir leider nicht sehen, da wir nicht all zu spät bei The Babies erscheinen wollten. Den Eindruck, den er bei mir hinterlassen konnte, war aber doch ein starker. Leider nervig, dass die Nachbarbühne mit ihrem TripHop-Sound viel zu laut war und gerade bei Streich- und Vocal-lastigen Songs ziemlich störte. Auch hier gilt, einfach mal eine Einzelshow anschauen. The Babies klangen frisch und gut gelaunt, dabei war es schon ihr dritter Auftritt an diesem Tag. Respekt dafür. Nächste Woche Freitag spielen sie in Berlin im Monarch. Jetzt aber zum absoluten Highlight des Festivals, selbst Hot Chip und DJ Koze, die nach M B V spielten, sind für mich einfach nur noch Randerinnerungen. Der Auftritt von My Bloody Valentine war als ob eine Rakete starten und im Moment des Starts eine Stunde lang verweilen würde und seinen kompletten explosiven Brennstoff verheizt. Einfach nur Broooooooooooom und das ohne Unterlass. Wer die Chance hat, M B V live zu sehen, tut euch selbst einen Gefallen und setzt alles erdenklich Mögliche daran, diese Band zu sehen. Ihr werdet es niemals bereuen.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich froh bin, diese Reise gemacht zu haben. Ich hatte eine wundervolle Begleitung, eine absolut tolle Unterkunft, eine Stadt, die ich noch nicht kannte und ein Festival, das mich tatsächlich begeistern konnte. Mein Plan, dieses Jahr kein deutsches Festival zu besuchen, ist bisher ein voller Erfolg. Schauen wir mal, was Roskilde und das Flow Festival in Helsinki noch bringen. Bis nächstes Jahr, Primavera 2014.

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