Die Stadt in der Stadt: Das Open’er Festival in Gdynia, Polen

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Gdynia – wo liegt das eigentlich? Ein kurzer Blick auf die Karte und ein paar Recherchen später, war ich um etwas Allgemeinwissen reicher. Gdingen ist ein kleines Städtchen im Norden Polens, das zusammen mit Gdańsk (Danzig) und Sopot (Zoppot) die Wirtschaftsregion Trójmiasto (Dreistadt) bildet. Im Gegensatz zu den beiden großen Schwestern, ist der Ort jedoch nicht sonderlich gefragt unter Ostsee-Abenteurern. Bis auf einmal im Jahr! Am ersten Wochenende im Juli wird er zum Mekka für Tausende Musikfans, die das Flughafengelände von Gdynia-Kosakowo für das Open’er Festival bevölkern.

Anfang des Jahres überredete mich meine polnische Freundin Magda dazu, sie auf das alljährliche Highlight zu begleiten, welches sie mit ihren Freundinnen bereits seit fast 10 Jahren gemeinsam zelebriert. Wenige Monate später fanden wir uns dann zu neunt in einer kleinen Pension zusammen, verteilt auf zwei Zimmerchen, mit nur einem Bad – und ich verstand kein Wort. Zum Glück lernte ich schnell die drei wesentlichen Begriffe der polnischen Sprache: Dziękuję (Danke), Dobra (Gut) & Kurva (Scheiße). Neben diesem essentiellen Überlebenswortschatz, war ich auch dankbar für die Einweisung in die hohe Kunst des Wodka-im-BH-Schmuggelns, der dich in kühlen polnischen Nächten warm hält. Erfreulicherweise blieben die aber größtenteils aus und wir durften vier Tage lang bestes Festivalwetter genießen.

Das Open’er ist kein Festival, es ist eine Kleinstadt

Während man von anderen Festivals oftmals erschöpft wieder nach Hause kommt, ist Gydnia und seine Umgebung ein wahres Urlaubsparadies, in dem es sich tagsüber wundervoll am Meer entspannen und vor allem für wenig Geld leben lässt. Mit den Füßen im Sand und der Sonne im Gesicht macht die Planung des Tages- und Abendprogramms zudem umso mehr Spaß. Und glaubt mir, dafür solltet ihr euch Zeit nehmen!

In Hinsicht auf die Größe und die Angebotsvielfalt kann es kein Festival, das ich bisher besucht habe, annährend mit dem Open’er aufnehmen. Neben fünf offiziellen Bühnen befinden sich auf dem weitläufigen, kilometerlangen Gelände auch ein Theater, ein Kino, ein Museum und die legendäre Silent Disco. Wer jedoch meint, dass das schon viel ist, dem wird beim Anblick der vier verschiedenen Food Courts, der internationalen Beer Zone, dem Alter Cafe, der Kids Zone, der NGO Area, den Freiluftausstellungen, der Red Bull DJ Bühne, der Fashion Stage mit Catwalk sowie den unendlichen Shopping-Möglichkeiten schlichtweg die Kinnlade herunterfallen! Das Open’er ist kein Festival, es ist eine Kleinstadt. Eine Stadt in der Stadt.

Die Musik wirkt fast nebensächlich

Bei der riesigen Auswahl an Freizeitaktivitäten kann es dir manchmal sogar passieren, das du ganz vergisst, warum du eigentlich hier bist. Natürlich wegen der Musik und den Bands! Denn auch das Festival Line-up kann sich sehen lassen! Interpol sorgten für einen gelungenen Auftakt und spielten neben altbewährten Klassikern auch neue Stücke aus ihrem bevorstehenden Album “El Pintor”. Ein gut gelaunter Jack White präsentierte sein aktuelles Werk “Lazaretto” und ließ die Massen abschließend mit “Seven Nation Army” völlig durchdrehen. Die Grunge-Urgesteine Pearl Jam und meine Lieblingsfranzosen Phoenix überzeugten wie eh und je mit energiegeladenen mitreißenden Shows, und Faith No More brachten es im Blumenrausch immerhin auf eine außergewöhnliche Bühnendeko. Überraschend gut gefallen haben mir auch Haim und Banks, die ich vorher eigentlich nicht auf meine “Must-See”-Liste setzte, am Ende jedoch eines besseren belehrt wurde.

Wichtige Infos im Überblick

Falls du jetzt Lust bekommen hast, auf ein Festival im Ausland zu fahren, dann kann ich das Open’er sehr empfehlen. Die polnische Ostsee eignet sich prima zum Urlaub machen und das Festival ist im europäischen Vergleich mit 131 Euro für vier Tage echt spottbillig. Auch in Anbetracht dessen, was man dort alles erleben kann! Ein paar Dinge gebe ich dir für deine Reise aber noch mit auf den Weg:

  • Suche dir eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens oder des Bahnhofs von Gdynia. Bitte keine Hotels in Danzig oder Sopot buchen, wenn man Anfahrten und Rückfahrten mit Bus und Bahn über eine Stunde vermeiden möchte.
  • Es fährt rund um die Uhr im Minutentakt ein kostenloser Shuttlebus vom Bahnhof in Gdynia, der dich in 15 Minuten zum Festival bringt.
  • Du kannst auf dem Open’er aber auch zelten. Auf dem Camping Gelände gibt es sogar einen 24h-Zelt-Supermarkt!!
  • Bei schlechtem Wetter solltest du dich warm einpacken und deine Gummistiefel nicht vergessen. Es kann sehr kalt und vor allem matschig werden.
  • Aber auch wenn die Sonne scheint, empfehle ich gutes Schuhwerk! Stell dich auf ein paar Kilometer Wanderschaft ein, denn nicht nur das Festival ist riesengroß, auch der Weg bis dorthin kann sich ziemlich in die Länge ziehen.
  • Man darf absolut keine Getränke aufs Gelände mitnehmen, noch nicht einmal Wasser! (Fragen bzgl. Wodka-im-BH-Schmuggeln bitte direkt an mich stellen.)
  • Auf dem Festival wird bargeldlos bezahlt. Du kannst dein Geld in Coupons eintauschen, die du für Essen und Trinken verwenden kannst oder dir eine Alter Kart kaufen, die du mit Geld auflädst. Die Karte kannst du später sogar als Kreditkarte weiter verwenden. Solltest du Coupons übrig haben, werden diese nicht zurückgenommen. Am besten also weniger Coupons kaufen und dafür öfter umtauschen.
  • Ach, und nur so am Rande: In Polen kann man nicht mit Euro zahlen. Denkt daran euer Geld – bevor ihr es in Coupons umtauscht – auch in Zloty umzutauschen.

Ein Festivaltrip ins Ausland ist schnell organisiert und bietet Abwechslung zu den hiesigen Festivals in Deutschland, die man schon dreimal und öfter besucht hat. Auf momondo könnt ihr nach Ländern auswählen und gleich den Trip planen.

2 Comments
  1. liest sich ja alles schön und gut, aber warum ist da zum Schluss dieser link zum Reiseveranstalter? haben die das gesponsert? Unsinnig.

    • Die Anfrage von momondo kam 2 Wochen nach dem Festival und hier hat es sich angeboten, sie zu integrieren, da das Thema passt.

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