20,000 Days On Earth mit Nick Cave

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Ich habe mich nie für Nick Cave interessiert. Ich habe seine Musik nicht gehört, kannte seine Biografie nicht. Ehrlich gesagt bin ich noch immer kein großer Fan seiner Musik, aber umso mehr von ihm als Mensch und besonders von seinem Talent. Mein Interesse begann mit einem Interview und endete im Googlerausch.

Bevor ich das Interview las, wusste ich weder, dass der gebürtige Australier in den 80er Jahren in Berlin lebte, noch dass er mit Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten “The Bad Seeds” gründete, noch dass er neben seiner musikalischen Karriere, auch als Schriftsteller und Drehbuchautor große Erfolge feierte. Bereits 1989 veröffentlichte er seinen ersten Roman “And the Ass Saw the Angel”, den er in seiner freien Zeit auf Tour schrieb. 20 Jahre später erschien sein zweites Werk “The Death of Bunny Munro”. Beide Bücher beschäftigen sich mit Themen wie Sucht, Sex, Gewalt und Tod. Aspekte, die sich auch in seinem ersten Film “Lawless”, mit Shia LaBeouf in der Hauptrolle, widerspiegeln. Nick Cave bewies in den letzten Jahren jedoch nicht nur als Geschichtenerzähler sein Können, sondern auch als Schauspieler. Wie in Wim Wenders “Himmel über Berlin” oder im Film “The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford”, zu dem er auch den Soundtrack schrieb.

Verfolgt man seine Autobiografie bis ins Detail, findet man sich irgendwann in den tiefsten Tiefen von Google wieder. Es ist fast wie bei einem schwarzen Loch, man wird hineingesogen in sein Leben und seine Werke, klickt sich von einem Link zum nächsten und es scheint, als würden sie nie enden. Es gibt fast nichts, was dieser Mann noch nicht gemacht hat und aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits ein Dokumentarfilm namens “20,000 Days On Earth” über ihn in Arbeit ist. Die Drahtzieher sind keine geringeren als Iain Forsyth und Jane Pollard, die bereits 2008 beim Video zu “Dig, Lazarus, Dig!!!” mit Nick zusammenarbeiteten.

Wenn man das Leben dieses talentierten Workaholics verfolgt, ahnt man schnell, dass dies keine klassische Dokumentation werden wird. Der Film, der 2014 erscheinen soll, zeigt einen fiktionalen Tag in Nick Caves Leben. Laut den Regisseuren wurde ohne Skript gearbeitet, um Nick genügend Spielraum für Improvisationen zu lassen. Es sind konstruierte reale Situationen in denen er im Büro an Texten schreibt, seinem Therapeuten einen Besuch abstattet, mit seinen Söhnen Scarface schaut oder Kylie Minogue mit dem Auto durch die Gegend schauffiert.

“The thing that kind of seems so prevalent in contemporary music docs is that they’re all about getting behind something, revealing something, taking away the mask, taking away the myth. The major thing for us was not breaking the mythology.” – Iain Forsyth über “20,000 Days on Earth” im Interview mit The Guardian

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